Magazin · 10. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Die Innsbrucker Altstadt als Spielwelt: So haben wir sie für Vroom! Online nachgebaut
Wer in Vroom! Online eine Runde Fangen startet, fährt nicht durch eine erfundene Stadt, sondern durch die Innsbrucker Innenstadt: die Maria-Theresien-Straße mit der Annasäule, die Herzog-Friedrich-Straße bis zum Goldenen Dachl, den Inn mit der Innbrücke und die Nordkette im Hintergrund. Gebaut wurde die Karte nicht von Hand, sondern fast vollständig aus offenen Daten. In diesem Artikel erklären wir, woher die einzelnen Teile kommen und wo die Grenzen liegen.
Das Gelände: ein Laserscan von ganz Österreich
Das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) stellt ein Höhenmodell von ganz Österreich als offene Daten bereit. Es entsteht aus Laserscans aus dem Flugzeug und hat eine Auflösung von einem Meter. Es gibt zwei Varianten: das Geländemodell, das nur den nackten Boden zeigt, und das Oberflächenmodell, in dem auch Häuser, Bäume und Brücken enthalten sind.
Aus dem Geländemodell entsteht der Boden der Spielwelt. Damit er im Browser flüssig läuft, wird er vereinfacht: Wo der Boden flach ist, reichen große Dreiecke, an Böschungen und an der Ufermauer des Inn werden die Dreiecke kleiner. Im Spielbereich weicht die vereinfachte Fläche höchstens etwa zehn Zentimeter vom Original ab. Die Physik des Autos liest dieselbe Fläche, damit die Räder genau dort stehen, wo man den Boden sieht.
Die Häuser: Grundrisse aus OpenStreetMap, Höhen aus dem Laser
Die Grundrisse der Gebäude stammen aus OpenStreetMap, der freien Weltkarte, an der weltweit Freiwillige mitarbeiten. Für die Innenstadt sind dort tausende Häuser eingezeichnet, viele mit Stockwerkszahl, manche mit Fassadenfarbe. Die Höhe jedes Hauses liest unser Bauprogramm aus dem Oberflächenmodell ab: Wo der Laser in einem Meter Abstand zur Hauswand auf das Dach trifft, liegt die Traufe. Der höchste Punkt im Inneren ist der First.
Aus Traufe, First und Grundriss entsteht ein Walmdach mit gleichmäßiger Neigung. Mathematisch ist das ein sogenanntes gerades Skelett: Jede Wand schiebt eine schräge Dachfläche nach innen, bis sich die Flächen treffen. Ist ein Gebäude breiter, als die Neigung hergibt, bekommt es oben eine flache Fläche – so wie viele große Stadthäuser in Innsbruck tatsächlich aussehen. Kirchen und Türme wie der Stadtturm behalten dagegen die Form direkt aus dem Laserscan, weil ein Walmdach ihre Spitzen und Kuppeln nicht abbilden könnte.
Fassaden aus echten Straßenfotos
Für die Fassaden nutzen wir 360-Grad-Panoramen von Mapillary, einer Plattform, auf der Menschen Straßenfotos unter einer freien Lizenz (CC BY-SA) teilen. In Innsbruck hat vor allem der Nutzer osmplus_org in den Jahren 2024 bis 2026 die ganze Innenstadt fotografiert. Zu jedem Foto berechnet Mapillary, wo genau und in welche Richtung die Kamera stand.
Mit dieser Information lässt sich jede Hauswand aus dem Panorama ausschneiden und entzerren: Für jeden Punkt der Wand rechnet das Programm aus, an welcher Stelle des Fotos er zu sehen ist. Weil manche Kamerapositionen ungenau sind, wird jede Wand aus mehreren Panoramen berechnet. Genommen wird das Bild, das am besten zu den anderen passt – ein Foto mit falscher Position zeigt nämlich die Wand des Nachbarhauses und fällt dadurch auf. Fotos mit Himmel auf der Wand, sehr dunkle und sehr schräge Aufnahmen werden verworfen.
Im Erdgeschoss stehen auf Straßenfotos fast immer Menschen, Sonnenschirme und Autos. Diesen Bereich zeichnen wir deshalb neu: als Schaufenster, als Fenster oder – in der Herzog-Friedrich-Straße – als Laubenbögen. Häuser ohne brauchbares Foto bekommen die Fassade eines ähnlich hohen Nachbarhauses, eingefärbt in ihrer eigenen Farbe.
Die Lauben, das Goldene Dachl und die Triumphpforte
Die Laubengänge der Altstadt sind in der Spielwelt nicht nur aufgemalt: Unter den Häusern der Herzog-Friedrich-Straße gibt es einen echten, gut drei Meter tiefen Gang mit Säulen, Bögen und Gewölbe, durch den man fahren kann. Bei einer Verfolgungsjagd ist das das beste Versteck der Stadt.
Einige Bauwerke sind von Hand modelliert, weil Daten allein sie nicht gut genug abbilden. Das Goldene Dachl, der Prunkerker am Neuhof aus der Zeit um 1500, hat zwei Loggien mit Wappen- und Reliefbrüstungen und ein Dach, das im Original mit 2.657 feuervergoldeten Kupferschindeln gedeckt ist. Die Triumphpforte von 1765 entstand nach den Maßen aus dem Laserscan: rund 19 Meter breit und bis zu 17 Meter hoch. Die Annasäule erinnert an den Abzug der bayerischen Truppen am Annatag 1703 und wurde 1706 fertiggestellt.
Bäume, Bänke und Haltestellen
Die Bäume stammen aus zwei Quellen. Straßenbäume sind in OpenStreetMap mit ihrem genauen Standort eingetragen. In Parks und Gärten erkennen wir Bäume im Laserscan: Wo die Oberfläche deutlich über dem Boden liegt und kein Haus steht, wächst eine Krone. Auf Fahrbahnen werden keine Laser-Bäume gesetzt – dort sieht der Scan oft nur Äste, die über die Straße ragen, oder Oberleitungen.
Bänke, Mistkübel, Laternen, Ampeln, Bushaltestellen mit dem österreichischen H-Schild und die Masten der Straßenbahn kommen ebenfalls aus OpenStreetMap. Geschäfte bekommen ein Schild mit ihrem Namen an der nächsten Fassade. Große Ketten erscheinen in ihren Hausfarben, aber mit einfacher Schrift statt Originallogo, weil Logos geschützte Marken sind.
Die Berge
Die Nordkette und der Patscherkofel im Hintergrund sind kein gemalter Horizont. Sie sind ein grobes Höhenmodell eines 36 mal 36 Kilometer großen Gebiets aus denselben BEV-Daten, belegt mit dem Orthofoto von basemap.at. Wer in der Maria-Theresien-Straße nach Norden schaut, sieht deshalb dieselbe Silhouette wie in Wirklichkeit.
Was (noch) nicht stimmt
Die Karte ist kein fotogenauer Zwilling der Stadt. Fassaden sind aus der Nähe unscharf, weil der Browser auch auf Handys flüssig laufen soll. Manche Häuser tragen geschätzte Fassaden, und Innenhöfe sind vereinfacht. Wer Fehler findet oder in OpenStreetMap eine Fassadenfarbe nachträgt, hilft mit: Die Karte wird aus den Daten neu gebaut und übernimmt solche Verbesserungen automatisch.
Quellen
- Gelände und Oberfläche: BEV, ALS-Höhenraster 1 m, Stichtag 15.09.2025, Lizenz CC BY 4.0
- Gebäude, Straßen, Bäume, Geschäfte: © OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz ODbL
- Fassadenfotos: Mapillary, Lizenz CC BY-SA 4.0 (vor allem osmplus_org)
- Orthofoto: basemap.at, Lizenz CC BY 4.0
